Via fefe kam grade noch ein Link auf diesen Artikel in der Zeit: Ausweitung der Sperrzone. Neben einer aufschlussreichen Zusammenfassung der Netzsperren in anderen Ländern, z. B. der Türkei, wo etwa Youtube komplett zensiert ist, kommt darin auch die Hessische Landesregierung zu Wort, die in einem zweiten Anlauf Glückspielanbieter ausblenden lassen will, wenn die Netzsperren für Kinderpornografie erst einmal Realität geworden sind. Vor ein paar Monaten hatten die das schon einmal versucht, jedoch ohne Erfolg.
Sprechen die sich eigentlich nicht ab? Zurzeit sind solche Meldungen doch eher kontraproduktiv für die Befürworter der Sperren. Wie glaubhaft sollen da die Beteuerungen noch sein, die Sperren würden nicht ausgeweitet? Wobei, viel Mühe gibt man sich ohnehin nicht. So bestätigt das Familienministerium im gestrigen Antwortbrief an Spreeblick (der jetzt vollständig vorliegt) im Grunde, dass für die Zukunft bewusst alles offen ist: "Dies und nur dies sind die zu sperrenden Inhalte, über die wir derzeit sprechen." Derzeit, aha dann ist ja gut...
Jörg-Olaf Schäfers von netzpolitik.org hat auf Abgeordnetenwatch eine Anfrage an Frau Zypries gestellt, in der er auf die ganze Problematik der Zugriffsprotokollierung eingeht, speziell vor dem Hintergrund dynamischer IP-Adressen, wie sie im Privatkundenbereich üblich sind (siehe hierzu auch mein Blog-Eintrag "Stoppschildprotokollierung"). Ich finde die Antwort ja schon irgendwie heftig. Kurz zusammengefasst: "Wer unschuldig in unser Visier gerät, hat halt Pecht gehabt, im Internet kann das schonmal passieren." Wow. Vielleicht nicht ganz so patzig formuliert, wie die Stilblüten von Dieter "TRALAFITTI" Wiefelspütz, aber vom Effekt her ähnlich. Genau wie bei GAGAGOGO schwanke ich zunächst irgendwo zwischen Lach- und Weinkrampf, ein bisschen später läuft es mir nur noch eiskalt den Rücken runter.
Es ist vor allem dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, trotz all des wunderbaren Zusammenhalts, den man in der Community spürt, das mir langsam richtig zu schaffen macht.
UPDATE: Wow, schreibt jetzt die FAZ aus meinem Blog ab? Wohl kaum, denn der Sachverhalt ist ohnehin offensichtlich. Trotzdem dachte ich mir beim Lesen des Abschnitts "Dynamische IP-Adressen erschweren die Verfolgung" im aktuellen Artikel "Wer das Stoppschild sieht, ist verdächtig" schon: Ja klar, sag ich doch! Es müssen "alle gewonnenen IP-Adressen in Klarnamen aufgelöst" werden, sonst braucht man gar nicht zu protokollieren. Und das soll in Verbindung mit den zahlreichen Angriffsmöglichkeiten, die Unschuldige auf diese Seiten leiten können, kein Problem sein?
Aufgenommen: Mai 18, 09:52
Aufgenommen: Mai 21, 22:56