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16.12.2009 00:31
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Computersach
Dieses Mal scheine ich ja echt Glück zu haben. Das Zentralkomitee für Jahresendkonsum hat mir allerhand Waren zugeteilt, mit denen sich prima ein neuer PC bauen lassen sollte. Den Artikeln nach zu urteilen wird es wieder weg vom "Gaming Rig" gehen und eher so etwas wie eine Workstation werden. So ein bisschen wie ein Atom-U-Boot auf Schleichfahrt... massig Firepower an Bord, dabei aber flüsterleise.
Essentiell für dieses Vorhaben ist natürlich eine passiv gekühlte Grafikkarte. Dass damit der blanke Gamerwahnsinn von vornherein ausscheidet, ist irgendwie klar, aber erstens war ich sowieso nie richtiger "Gamer", und zweitens bin ich wahrscheinlich langsam eh zu alt für sowas.
Deshalb: Gigabyte GV-N98TSL
Geräuschlos, riesiger Texture-Speicher und sicher genug Leistungsreserven für, äh, die Desktop-Effekte von KDE4.
Wo soll die aber draufgesteckt werden? Seit kurzem kommen ja laufend P55-Mainboards raus. Recht günstige, und teilweise sicher sehr gute Boards. Aber irgendwie war mir das dann doch alles zu mainstreaming, zu consumer-grade-mäßig. Wenn ich mir QuickPath Interconnect mal so laienhaft anschaue, habe ich zumindest das diffuse Gefühl, es könnte sich evtl. um ein anständiges Design handeln. Das wirkt doch alles sehr high-endig, also rein damit in die Workstation. Einen Unterschied beim Arbeiten merken werde ich damit gegenüber einer P55-Plattform sicherlich nicht. Aber geht's darum?? Eben.
Die Wahl des X58-Mainboards fällt dann relativ unspektakulär aus: Das Asus P6T Deluxe V2 und der direkte Vorgänger kommen gerne zum Einsatz, wann immer ein i7 auch übertaktet werden soll. Damit will ich es zwar dieses Mal wirklich nicht übertreiben, aber Stock Speed kommt nicht in Frage. Da könnt ich mir den PC ja gleich vom Blödmarkt holen.
Aushalten müssen werden das ein Bloomfield i7-920 (was sonst?) und drei Speicherriegel von Corsair. 6 GB müssen ja echt reichen. Für die Kühlung der CPU wird dabei der bewährte Thermalright Ultra-120 Extreme sorgen. Bei einem eher moderaten Overclock sollte es im Near-Idle-Betrieb (also für 99% meiner Anwendungsfälle, hehe) ausreichen, wenn der 120er-Fan da nur ein bisschen hinfächelt. Das wiederum passt super in das angestrebte Silent-Konzept.
Da mir erst neulich mal wieder (grrrr) ein beQuiet-Netzteil abgeraucht ist, habe ich bereits ein neues, das ich auch weiterverwende. Das Corsair HX650W bietet für die geplante Plattform Power ohne Ende, einen laut Spec guten Wirkungsgrad und ist kaum hörbar.
Eine neue Platte soll dann auch noch rein, eine WD Caviar Black, die 500er reicht da. Mehr Platz oder gar RAID brauche ich nicht, denn wozu hat man einen Fileserver. OK, ein RAID-0 könnte Performance bringen. Ist mir aber zu viel Stress, stattdessen kommt die Platte in ein Smart Drive Neo, damit ich die bitte gar nicht mehr höre.
Eigentlich bräuchte ich dann nur noch einen weniger nervigen Monitor. Der seit kurzem hier stehende Samsung 2494LW macht sich nämlich einen Spaß daraus, immer wieder neue Frequenzen hervorzubringen, auf denen er mich pfeifend, summend und brummend malträtiert. (So alt bin ich wohl doch noch nicht, da ich die Störgeräusche ja immerhin noch höre.) Bei voll aufgedrehter Helligkeit ist er natürlich leise, aber rausgebrannte Netzhäute sind noch schlimmer als schleichender Wahnsinn durch Pfeifgeräusche, also halte ich diese im Moment tapfer aus. Ist es eigentlich so schwierig, einen großen Flachbildschirm zu bauen, den man nicht hört? Spätestens wenn der PC dann fast lautlos ist, wird mir der Monitor nämlich so dermaßen auf den Sack gehen, dass ich Ebay einschalten muss. Vielleicht kommt als Ersatz ein LG W2442PA, mit dem bin ich im Büro ganz zufrieden. Ich hoffe nur, den gibt's dann auch mal irgendwo in schwarz...
Egal, ich übertöne das Pfeifen jetzt mit Musik und lasse sich das Jahr einmal wieder mit einer Hardwarebestellung dem Ende zuneigen. Kann es denn ein schöneres Ritual geben? Schade halt, dass man das eigentlich nur so alle drei Jahre sinnvoll machen kann.
13.12.2009 04:21
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Internet
OK, ist ja schon arg lame, dass ich, jetzt wo hier überhaupt mal wieder was steht, ausgerechnet ständig über Facebook schreibe. Aber die Änderungen der letzten Tage ergeben das halt.
Zu den Privacy-Features werde ich jetzt gar nicht so viel sagen. Ich will da noch das ein oder andere testen. Stattdessen stelle ich hier kurz etwas vor, das quasi ein Abfallprodukt meiner Beschäftigung mit der Site in letzter Zeit ist.
Ich verwende, wie vermutlich viele Firefox-Anwender, schon seit einiger Zeit Adblock Plus zum Ausblenden von Werbung. Das spart Bandwidth und schont die Nerven. Bedauerlicherweise leidet dabei auch das Layout mancher Sites ein wenig, so auch das von Facebook.
Die Lösung ist ein alternatives Stylesheet. Mit dem Firefox-Addon "Stylish" lassen sich solche modifizierten Layouts leicht für verschiedene Sites installieren und verwalten. Ich habe gar nicht viele ausprobiert, sondern bin gleich bei "Stylish Facebook" geblieben. Das rückt nicht nur diverse durch Adblock verschobene Positionierungen wieder zurecht, sondern blendet neben der Werbung noch weitere eher lästige Elemente aus, z. B. die Filtereinstellungen für News bzw. Live Feed und die "Suggestions", die oft im rechten Rand erscheinen. Natürlich lassen sich diese Ausblendungen auch deaktivieren, wofür man allerdings ein paar Zeilen in der Definition des Styles auskommentieren muss.
Das Resultat ist ein übersichtliches, werbefreies Facebook mit sinnvoll, d. h. für Content, genutzem Screen Real Estate. Ein paar dezente Effekte gibt es als Sahnehäubchen oben drauf, etwa leichte Schatten an Profilbildern.
Die Installation ist einfach: Zuerst das Addon installieren, Firefox neu starten, dann zum Style gehen, evtl. JavaScript aktivieren und den Style direkt von der Seite weg installieren. Facebook sollte unmittelbar danach deutlich aufgeräumter daherkommen.
Man sollte eben nie vergessen, dass man als Benutzer des Webs rein technisch gesehen die volle Kontrolle darüber hat, welche Informationen in das Netz übermittelt und aus dem Netz geholt werden - und natürlich auch auf welche Weise man diese Informationen dann weiterverarbeitet oder darstellt.
10.12.2009 19:37
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Internet
Wie vergangene Nacht kommentiert, hat Facebook neue Datenschutz-Einstellungen verfügbar gemacht. Dafür hagelte es reichlich Kritik (netzpolitik.org, TechCrunch, EFF).
Eine Spontanreaktion von Facebook besteht nun, wie im aktuellen Blog-Posting erklärt, im Entfernen des Links zum Anzeigen der Freundesliste in den Suchergebnissen. Einer der wesentlichen Kritikpunkte bezog sich ja genau darauf - dass die Freundeslisten nun plötzlich jedem zugänglich sind.
Man möchte meinen, das würde eines der Hauptprobleme des Updates lösen, aber Äußerungen wie diese (im selben Posting) tragen nicht gerade zur Transparenz und zum Vertrauen in die neuen Datenschutz-Features bei:
"Keep in mind, however, that because Friend List is publicly available,
it will be visible to people who are viewing your profile while not
logged in."
Genau das ist das Problem. Bestimmte Teile des Facebooks-Profils wurden kurzerhand als "öffentlich zugänglich" deklariert. Selbst wenn also der Link in den Suchergebnissen entfernt wurde, ist überhaupt nicht klar, inwiefern diese Informationen noch über andere Wege abrufbar sind, was "öffentlich" also konkret bedeutet.
Auf die entfernte Option zum Kontrollieren der Zugriffsrechte von Applikationen wird im Blog gar nicht eingegangen. Nach Facebooks Definition von "öffentlich" haben aber grundsätzlich alle Applikationen Zugriff auf entsprechende Informationen. Das würde bedeuten, dass die Freundesliste derzeit zwar herumsurfenden Einzelpersonen vorenthalten wird, nicht jedoch einer Applikation, die systematisch und automatisiert Freundeslisten auswertet. Hmm, was ist wohl gefährlicher...
Update: Ob bzw. inwiefern solche Applikationen existieren, ob sie zulässig wären (möglicherweise verbieten Facebooks Geschäftsbedingungen sie) - das fällt mir schwer zu beurteilen. Unnötig ein Bedrohungsszenario auszumalen ist sicherlich nicht hilfreich. Leider scheint es aber im Moment auch keine klaren Aussagen zu geben, die solche Befürchtungen vollständig ausräumen würden. Im Raum stehen letzten Endes schlicht die geänderten Datenschutzbestimmungen. Und die besagen, dass bestimmte Teile des Profils "öffentlich zugänglich" sind, was jetzt eben auch technisch umgesetzt wurde.
10.12.2009 00:36
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Internet
Da surfe ich heute so auf Facebook rum, plötzlich werde ich dazu aufgefordert, die schon vor ein paar Tagen angekündigten neuen Privacy-Settings auszuprobieren. Ich hatte schon länger auf das Feature gewartet, für jedes einzelne Posting Zugriffsrechte vergeben zu können, und stürzte mich deshalb gleich darauf.
Zunächst mal das Positive: Das neue Feature gibt es tatsächlich, man kann jetzt bei jedem Posting einstellen, wer es sehen darf. Leider kann man das anscheinend nicht mehr im Nachhinein ändern, hätte ich bei ein paar früheren Postings vielleicht ganz gerne die Einstellungen nachträglich gelockert. Lobenwert finde ich auch, dass die Seite mit den Datenschutzeinstellungen jetzt übersichtlicher und zusätzlich kennwortgeschützt ist.
Nun aber zu den Problemen, die ich für gravierend halte:
Zunächst einmal wurden mir für einige meiner ziemlich restriktiven Einstellungen wesentlich weniger strenge Alternativen vorgeschlagen. Die musste ich einzeln wieder auf "Old Settings" (oder so ähnlich) setzen, um nicht große Teile meines Profils dem ganzen Internet zu öffnen. Dieses Verfahren halte ich zumindest für äußerst unanständig. Die Benutzer sollen hier meiner Meinung nach ganz klar dazu verleitet werden, ihre Datenschutzeinstellungen zu lockern.
Also: Beim ersten Aufruf der neuen Einstellungen unbedingt prüfen, ob noch alles passt!
Als nächstes stellte ich beim testweisen Anzeigen meines Profil als "Everyone" fest, dass plötzlich jeder meine Friends List und meine Pages sehen kann! Auch für das Geschlecht und das Profilbild habe ich keine Einstellung zum Einschränken der Sichtbarkeit mehr gefunden.
Das ist, sehr vorsichtig ausgedrückt, ziemlich gewagt von Facebook. Ich halte die Friends List für eine der sensibelsten Informationen in einem sozialen Netzwerk. Wird es privat genutzt (anders als z. B. XING), kann diese Liste in unterschiedlichster Form Aufschluss über Details des Privatlebens einer Person geben. Andererseits leben solche Netzwerke natürlich auch davon, dass man Leute über andere Leute findet. Mit der Einstellung "Only Friends of Friends" für die Sichtbarkeit meiner Friends List konnte ich daher bisher ganz gut leben. Ich hielt das für einen sinnvollen Kompromiss. Leider geht das jetzt nicht mehr, die Friends List ist für das ganze Internet einsehbar. Für viele Leute, die aus verschiedensten, aber sicher immer sehr guten, persönlichen Gründen ihre umfangreiche Liste bisher geheim gehalten haben, muss das eine Katastrophe sein. Ein wahrer Datenschutz-GAU.
Man kann die Liste zwar aus der Profil-Anzeige entfernen, jedoch bleiben die Friends auch danach in den Suchergebnissen sichtbar. Facebook-Nutzern, für die eine nicht öffentliche Friends List unverzichtbar ist, scheint derzeit nur übrig zu bleiben, den Account ganz zu deaktivieren. Update: Man kann auch erst einmal festlegen, nicht mehr global über die Suche auffindbar zu sein. Ich habe das jetzt mal auf "Friends of Friends" gesetzt.
Doch damit nicht genug. Die "Pages", also Seiten von Produkten, Organisationen, Künstlern, etc. deren "Fan" man auf Facebook geworden ist, sind nun ebenfalls für jeden sichtbar! Auch das halte ich für extrem problematisch. In der Regel lassen sich aus diesen Mitgliedschaften allerhand Vorlieben, Interessen und Neigungen ablesen. Konsumverhalten, aber durchaus auch Dinge wie politische Positionen könnten damit ausgewertet und vermutlich sehr einträglich genutzt werden.
Meine Reaktion war - aus Protest, aber natürlich auch weil ich diese Informationen einfach so schnell wie möglich aus dem öffentlichen Internet entfernen wollte - meine immerhin 18 Pages zu verlassen. Einige von diesen hatten mich in den letzten Monaten mit interessanten Meldungen direkt in meinem News Feed versorgt - ein sehr angenehmer Service, auf den ich jetzt erst einmal verzichten muss.
Auch hier gilt: Wer nicht möchte, dass seine Pages-Mitgliedschaften für jedermann öffentlich sind, muss diese Pages aufgeben. Ich persönlich hoffe ja, dass möglichst viele genau das tun werden. Vielleicht kommt Facebook auf diese Weise wieder zur Vernunft.
Ergänzung (13.12.): Natürlich war die Mitgliedschaft in Fanseiten schon immer insofern öffentlich, als auf jeder dieser Seiten angezeigt wird, wer da alles Mitglied ist. Das ist aber schon noch einmal etwas anderes, als die Verfügbarkeit einer vollständigen Liste aller Mitgliedschaften für jeden einzelnen Benutzer.
Hier gibt es eine gute und kritische Analyse der neuen Features mit konkreten Tipps zu optimalen Einstellungen (Englisch).
Update: Wie ich gerade bei der EFF gelesen habe, wurde auch die Option entfernt, mit der man der Weitergabe seiner Daten an Facebook-Apps widersprechen konnte. All das, was nun von Facebook als "öffentlich" deklariert wurde, kann also von jeder Applikation abgegriffen werden. Dazu braucht sie nur jemand aufzurufen, der auf der eigenen Friends List steht. Ich hatte diese Option immer aktiviert, und ihre Entfernung stellt eine weitere gravierende und meiner Meinung nach genau kalkulierte Einschränkung des Datenschutzes auf Facebook dar.
Update: Langsam kommen auch die ersten kritischen Stimmen in der deutschen Presse. Während das Handelsblatt gestern noch eher Facebooks Pressemeldung wiedergab, übt Focus Online zumindest schon einmal verhaltene Kritik.
06.12.2009 13:48
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Musik
Ich habe Shpongle, das Musikprojekt von Simon Posford (Hallucinogen, Twisted Records) und Raja Ram (Infinity Project, TIP Records), mit seinem ersten Album "Are You Shpongled?" kennengelernt. Veröffentlicht 1998, gilt es inzwischen als Meilenstein im Bereich des "Psybient", des Stils also, der klangliche Elemente von Goa und Psytrance aufgreift, sich aber eher für kontemplativ-psychonautische Couch-Sessions als die kosmische Open-Air-Extase eignet. "Are You Shpongled?" überzeugt durch seine Kompromisslosigkeit, sein unmittelbares und eindeutiges Triggern psychedelischer Schaltkreise im Gehirn des Hörers. Es funktioniert mit der Direktheit eines Kernspintomographen. Wie Atomkerne im Magnetwechselfeld richten sich die vorgelockerten Synapsen an den Oszillationsfrequenzen der Klangmatrix aus - ein ziemlich gewaltsamer Prozess, aber äußerst fokussierend, reinigend. Das Album gilt in dieser Hinsicht auch als unerreicht, sowohl im mittlerweile vier Longplayer umfassenden Shpongle-Opus, als auch innerhalb des Genres.
Etwas Ähnliches könnte man aber auch über das drei Jahre später releaste "Tales of the Inexpressible" sagen. Gleich einhellig zum "Instant Classic" erklärt, unterscheidet es sich doch stark vom Debut. Es klingt "organischer", d. h. es bewahrt die einzigartige Grundsignatur, reiht sich aber mit Gesang und Ethnoelementen ein klein wenig eher zwischen anderen Ambient-Produktionen ein, als der sperrige Vorgänger. Obwohl ich die "Tales of the Inexpressible" insgesamt etwas geringer schätze als "Are You Shpongled?", habe ich sie vermutlich schon deutlich häufiger laufen lassen. Aufmerksames Zuhören ist hiermit genauso möglich, wie angenehme Hintergrundbeschallung.
Mit "Nothing Lasts... But Nothing Is Lost" kam 2005 dann eine abermals völlig andere Veröffentlichung. Das Album ist ein Nachruf auf den 2000 verstorbenen Terence McKenna, der laut Posfords eigener Aussage zu seinen wichtigsten Einflüssen gehört. Dies zu glauben fällt nicht schwer, denn in der Musik von Shpongle wimmelt es sozusagen geradezu von den "jeweled, self-dribbling basketballs" und "self-transforming machine elves", über die McKenna nach seinen DMT-Reisen berichtete. Das Album selbst hat mit seinen zwanzig ineinander übergehenden Tracks ebenfalls starken "Reise-Charakter" und wirkt dabei angemessen nachdenklich und ernst. Ich wurde damit nicht auf Anhieb warm, aber irgendwie schaffte es "Nothing Lasts", sich zu meinem heimlichen Shpongle-Favourite hochzuarbeiten. Es kommt hier einfach eine Menge zusammen, im Kontext von McKennas Tod, der aktuellen Situation auf diesem Planeten und der Reflexion über den eigenen unbedeutenden Part, den man bei alldem spielt - schwer zu beschreiben.
Seit einigen Wochen ist nun das von den Fans schon über zwei Jahre lang aufgeregt erwartete vierte Album erhältlich. "Ineffable Mysteries from Shpongleland" vermochte allerdings zunächst nicht so recht zu zünden bei mir. Zu lasch, zu viel "World Music" und "New Age", zu wenig Frontalangriff auf meine Neutrotransmitterfabriken.
Die Hörsituationen bei der ersten Annäherung waren aber auch bewusst beiläufig - am PC, beim Aufräumen. In der U-Bahn mit dem iPod. Mit einem bestimmten Setting hatte ich bislang nämlich noch gewartet, denn ich wollte das Album schon etwas kennen, bevor ich es mir wirklich konzentriert anhörte. Bequem auf der Couch liegend, mit geschlossenen Augen. Auf einigermaßen anständigem Equipment. Laut!
Dieses elektroplasmatische Monster, das da plötzlich aus den Boxen herausgestapft kam, traf mich dann auch etwas unerwartet. "Electroplasm" heißt der erste Track, der mit seinen orientalischen Ethno-Sounds zunächst an das Material auf "Tales of the Inexpressible" erinnert. Da war es wieder, dieses Saiteninstrument, das mich mit seiner eher simplen Melodie bisher irgendwie nicht überzeugen wollte. Jetzt aber vibrierte es vor mir im Raum, die von ihm abgezupften Töne verglühten und legten sich wie schwerer Opiumrauch auf die akustische Bühne. OK, das waren jetzt 10 Euro in die Kasse für schwülstige Musikreview-Formulierungen... Jedenfalls offenbarte sich mir hier zum ersten Mal, wie perfekt dieses Album produziert ist. Die Dramatik des Openers entwickelt sich dann auch absolut Shpongle-typisch. Auf sehr zufrieden stellende Weise kommt es im Grunde zu einer Synthese aus den beiden ersten Werken, denn zu perfekt eingearbeiteten akustischen Klängen und Ethno-Flair gesellen sich hartes Gating (irgendwie ja ein Markenzeichen von Posford), komplexe Rhythmusstrukturen und hypersynthetische, alienartige Sounds.
Dieses Konzept bestimmt das ganze Album, jedoch nicht ohne Spannungsbögen zu ziehen. Es überwiegen zwar die ruhigeren, dann auch etwas weniger elektronischen Tracks, etwa "Nothing is Something Worth Doing" oder "Invisible Man in a Flourescent Suit". Letzterer wäre auch wunderbar auf einem Younger Brother-Album zu Hause, und Posfords Arbeit mit Benji Vaughan wirkt sich da absolut wohltuend aus, ohne den eigenständigen Charakter beider Projekte zu gefährden. Dass Shpongle aber auch kein typisches Chill Out-Projekt ist, machen andererseits die komplexeren, fordernden Tracks unmissverständlich klar. Der Opener gehört dazu, wie auch das Titelstück "Ineffable Mysteries".
Das unglaubliche Produktionstalent Posfords erreicht indes neue Höhen. Vom kleinsten Effektparameter bis zum Mastering stimmt hier einfach alles. Dadurch entsteht eine äußerst druckvolle, aber auch sehr offene Atmosphäre. Zusammengehalten wird das alles von Raja Rams Flötenspiel, das sich, wie das bei Shpongle eben so ist, wie ein silbernes Band durch diese bizarre Klanglandschaft schlängelt um dem Reisenden den Weg zu weisen.
Das neue Shpongle-Album ist also genau so, wie es sein muss. Hier wird ein Projekt weitergeführt, das seit über zehn Jahren weltweit die "Heads" zu wissendem Nicken, Grinsen und Augenzwinkern bringt. Das so auf den Punkt zu bringen, schafft sonst niemand.
Hörproben mit der Möglichkeit, das Album als Download zu erwerben, gibt es entweder direkt bei TwistedDownloads (leider nur MP3) oder bei Juno Records UK (auch unbeschädigt, d. h. als FLAC/WAV).
29.10.2009 22:44
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Medien
So eine Panorama-Reporterin wollte vorhin ein Interview mit Margot Honecker machen. Das klappt natürlich vorhersehbarer Weise nicht, weshalb ein paar Einspieler gezeigt werden, in denen man nochmal erklärt kriegt, dass die DDR echt ein repressiver Staat war und überhaupt. Das hat man ja schon das ein oder andere Mal gehört, und bezweifeln tut es eigentlich auch kaum jemand. Außer vielleicht, ähm nunja, Leute wie Margot Honecker.
Damit man aber trotzdem noch was lernt, während die Reporterin da so neben der alten Frau herläuft und auf sie einredet, wird man darüber aufgeklärt, dass das mit der DDR ja der Sozialismus war. Und der Vollständigkeit halber wird die Honeckerin auch noch gefragt, ob er denn irgendwann mal wiederkomme, der Sozialismus. Na logo, meint die.
Wir schreiben also in unser Notizbuch:
Sozialismus = DDR
Weil ich aber immer dankbar für alles bin, das mir die Welt auf einfache und übersichtliche Weise erklärt, habe ich einige weitere Gleichsetzungen erarbeitet, die ich hier zum Wohle aller präsentieren möchte:
Journalismus = Bild Hedonismus = Crack Idealismus = Westerwelle Buddhismus = Oliver Shanti Pazifismus = Frankfurt gestern gegen den FCB Alpinismus = Ski Dubai
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